FluSearch Index (FSI) – Fragen und Antworten
Verwendet FluSearch Index (FSI) alle denkbaren Suchbegriffe von Internetnutzern im Zusammenhang mit akuten Atemwegs-Infektionserkrankungen (ARI), die einen Anstieg der ARI-Aktivität anzeigen oder nur bestimmte Suchterme?
Kurze Antwort: Für den FSI werden nur ausgewählte Suchterme verwendet. Lange Antwort: Das Google FluSearch-Verfahren korreliert automatisch Millionen von Suchanfragen, die mit gewisser Signifikanz - entsprechend der Surveillance-Daten der Centers of Disease Control and Prevention (CDC) - auf einen Zusammenhang mit der Aktivität akuter Atemwegs-Infektionskrankheiten hinweisen. Dieses Vorgehen enthält jedoch einen systematischen Fehler, nämlich eine Art Zirkelschluß-Rückkopplung: Berichten die Medien über einen Anstieg der von Google gemeldeten Grippehäufigkeit, setzen mehr Surfer als zuvor Anfragen im Zusammenhang mit grippalen Infekten bei Google ab. Das Google-System kann wegen der automatisierten Bewertung von Anfragen die Ursache des Anstiegs nicht erkennen. Beim FluSearch Index wird hingegen die Nutzung von wirklichkeitsnahen Suchtermen analysiert, die realistisch vor allem Beschwerden und Krankheitsverläufe bei akuten Atemwegs-Infektionskrankheiten abbilden.
Beispiel: Der Begriff „Grippewelle“ bildet den von der Arbeitsgemeinschaft Influenza (Robert Koch-Institut, Nationalen Referenzzentrum für Influenza, Deutsches Grünes Kreuz und finanzierende Pharmaunternehmen) beschriebenen Praxis-Index (hier bei www.Medrat.de „AGI-Index“ genannt) gut ab. Anstiege des AGI-Index spiegeln sich also in Anstiegen der Suchmaschinenanfragen zum Begriff Grippewelle wider.
Trotzdem ist der Begriff völlig ungeeignet, um das tatsächliche Krankheitsgeschehen in der Bevölkerung zu erfassen. Kaum ein Betroffener mit grippalem Infekt, der zum Beispiel an Schüttelfrost, hohem Fieber, Halsweh, Schnupfen, Husten oder starkem Krankheitsgefühl leidet, wird primär den Suchbegriff „Grippewelle“ verwenden. Selbst Suchbegriffe wie „Grippe“ oder „Influenza“ sind nach den Analysen von multi MED vision nur von nachrangiger Bedeutung. Im Vordergrund stehen all jene Suchanfragen, die das Syndrom „grippaler Infekt“ und/oder „Grippe“ am besten beschreiben.
Übrigens: Die Aufgabe, für ausgewählte Krankheits-Syndrome geeignete Suchwort-Cluster zu finden, kann von Statistikern alleine nicht gelöst werden. Auch Health Professionals liefern oft nur ungeeignete Beiträge. Schließlich ist eines ihrer berufstypischen Charakteristika das Gefangensein in der eigenen Fachsprache. Wie viele Untersuchungen der vergangenen Jahre wiederholt gezeigt haben, können zum Beispiel die meisten Ärzte diese Sprachbarriere nicht überschreiten (und sich für Patienten verständlich ausdrücken). Für Projekte wie den FluSearch Index ist vielmehr eine genaue Kenntnis von Sprache und Sprachnutzung durch die erfassten betroffenen Zielgruppen unabdingbar. Hierbei sind auch sprachliche Besonderheit (Region, Sozialstruktur, Altersgruppen) in ihrer Auswirkung zu berücksichtigen.
Beispiel: Einer der renommiertesten Gastroenterologen des 20. Jahrhunderts, der Belgier Prof. Dr. Guido N. J. Tytgat, resümmierte vor knapp zehn Jahren frustriert: „70 Prozent der Patienten mit Sodbrennen, kennen und benutzen den Begriff Sodbrennen überhaupt nicht“. Wenn Ärzte dies nicht wisssen – wie sollen sie dann jemeils eine korrekte Diagnose stellen? (Tytgat GN: GERD remains an intriguing enigma. Gastroenterology. 2001 Mar;120(4):787.)



