FluSearch Index (FSI) – Fragen und Antworten
Gibt es vergleichbare Rückkopplungs-Mechanismen auch bei anderen Surveillance-Systemen, zum Beispiel der ARI-Erfassung mit Sentinel-Praxen der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI)?
Selbstverständlich. Und hier ist es noch viel komplizierter, Störeffekte zu erkennen und sinnvoll zu korrigieren. So führt natürlich eine durch die Medienberichterstattung und die Mitarbeiter der AGI regelmäßig in Herbst und Frühjahr jeden Jahres angeheizte Grippeangst-Kampagne zu einer verstärkten und meist überflüssigen Inanspruchnahme von niedergelassenen Ärzten. Und damit zu einem Anstieg der, von diesen Sentinel-Ärzten erfassten akuten Atemwegserkrankungen (wovon die allermeisten natürlich banal und nicht influenzabedingt sind), also einem Anstieg des AGI-Praxisindex.
Hinzu kommt die durch die „Experten“ der AGI sowie unkritische Medienvertreter in diesen Zeiten unausgesprochen gebilligte Gleichsetzung von „grippalem Infekt“ und „Grippe“. Dies füllt natürlich zusätzlich die Arztpraxen. Und garantiert zudem vielen Inanspruchnehmern („Patienten“) sanktionsfrei einen erheblichen primären und sekundären Krankheitsgewinn durch die grassierende, allgemein akzeptierte „Influenza“-Epidemie.
Trotz der gesteigerten Arzt-Inanspruchnahme muß damit jedoch kein nachweisbarer Anstieg der untersuchten Zielparameter und schon gar nicht der Influenza-Häufigkeit selbst verknüpft sein. Auch die trotz Influenza-Meldepflicht extrem geringe Nachweisquote von Influenzaviren bei erkrankten Personen deutet auf eine mögliche Überbewertung der Aktivität akuter Atemwegs-Infektionskrankheiten durch das Sentinelsystem der AGI hin (siehe auch die Betrachtung zu Wissenschaftliches Kaffeesatzlesen – „Tod durch Grippe“ oder Wie die influenzaassoziierte Exzess-Mortalität „berechnet“ wird.).
Umgekehrt gilt: Während der Ferienzeiten melden Arztpraxen naturgemäß weniger akute Atemwegs-Erkrankungen an die AGI. Zum einen, weil die Patienten im Urlaub sind. Zum anderen, weil die Arztpraxen geschlossen bleiben. Dies war einer der Gründe, warum es bis zur Einführung des kontinuierlich Daten liefernden FluSearch Index 2008 keine Influenza-Surveillance der Arbeitsgemeinschaft Influenza im Sommer gab.
Dramatisch erscheint jedoch die deutlich verschlechterte Einsicht in die Influenza-Situation von Weihnachten bis Januar, wenn viele Arztpraxen geschlossen sind. Hier hilft nur die erheblich „erwartungsgesteuerte“ Daten-Glättung der AGI-Analyse weiter, damit diese Zeit nicht „grippefrei“ erscheint. Ähnliches gilt für spezielle Wetterlagen, wie z. B. im Winter 2009/2010, wodurch viele Patienten vom Besuch der Arztpraxen abgehalten werden.



